Le monde est fou!

Donnerstag 01/10/2026 (öffentliche GP)
Freitag 02/10/2026 (Premiere)
Samstag 03/10/2026 und Sonntag 04/10/2026
jeweils um 20 Uhr
in der Jupi Bar, Caffamacherreihe 37-39, 20355 Hamburg

Eintritt auf Spendenbasis!

Zum Stück:

„Le monde est fou!“ basiert auf dem Roman „Tram 83“ von Fiston Mwanza Mujila. Es ist in dem Stück von einer fiktiven afrikanischen Stadt, gleichzeitig aber auch von unserer Welt die Rede. Die Hauptpersonen sind zwei ungleiche Freunde: Lucien, ein eher introvertierter Schriftsteller, der am Anfang des Romans aus Europa zurückkehrt, und Requiem, ein charismatischer aber skrupelloser Gauner, der ihn bei sich aufnimmt. Neben dem heruntergekommenen Bahnhof, an dem Lucien ankommt, steht das Tram 83, eine Bar und das pulsierende Zentrum der Stadt. „Alle Wege führen ins Tram 83“, sagte der Autor in einem Interview, und er fügte hinzu: „Alle Wege führen zur Sünde.“ Auf einer kleinen Bühne treten jeden Abend Musiker auf, unter ihnen die Diva der Eisenbahntrassen, die mit ihrer Stimme und den Aufnahmen anfahrender Dampflokomotiven, mit denen sie ihre Kompositionen unterlegt, alle fasziniert. Musik spielt in der Bar, im Roman und in der Aufführung eine wichtige Rolle.

Requiem spürte, dass da jemand war. Er runzelte die Stirn: Lucien aus Haut und Knochen. Requiem ging auf ihn zu. Er sah, dass sein Freund stark abgemagert war. Dass eine Epoche zu Ende ging, eine Zivilisation mit den Füßen scharrte.

Besetzung:

Dirk/Lucien: Dirk Achim Dhonau
Noah/Requiem: Noah Tete
Diva der Eisenbahntrassen: Dong Zhou

Regie: Isabelle McEwen
Musik: Dirk Achim Dhonau, Dong Zhou

Dirk Achim Dhonau

Dirk Achim Dhonaus musikalischer Schwerpunkt liegt im Jazz und der improvisierten Musik. 2023 wurde ihm der Hamburger Jazzpreis verliehen. Er arbeitete in verschiedenen Formationen, aktuell ist er Teil von folgenden Bandprojekten: dem „Lisa Stick Quintett/Septett“, dem “Tiny Electric Trio”, Cleménce Manachèr’s „Hopscotch“ sowie dem “Dirk Achim Dhonau Quartett”. Er arbeitet seit vielen Jahren mit Dominique Horwitz im Rahmen seines Jacques Brel Abends zusammen, gründete mit Lars Rudolph „Die Pathognomiker“, wirkt an Hörspielen mit und arbeitet an Theaterprojekten. Er war an den Hamburger Kammerspielen, am St Pauli Theater, am Thalia Theater und auch am Schauspielhaus Hamburg tätig. Seit 2015 arbeitet er regelmäßig mit Isabelle McEwen.

Homepage: https://dirkachimdhonau.de/

Noah Tete

Noah Tete hat 2023 die MasterClasss Ausbildung der HipHop Academy Hamburg absolviert und ist als Tänzer und Rapper u.a. am Theater Bremen und am Hamburger Schauspielhaus aufgetreten. Seit 2025 studiert er Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Dong Zhou

Dong Zhou ist Komponistin und Performerin. Sie kombiniert Gesang, live Musik (Violine) und Elektronik und schafft dichte, emotionale Welten: introspektiv, düster und gesellschaftskritisch. Sie studierte Musikdesign am Konservatorium von Shanghai und Multimedia-Komposition an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Zurzeit promoviert sie an der Leuphana Universität Lüneburg über ortsspezifische Multimedia-Performances. Sie erhielt Aufträge, u.a. vom Shanghai International Art Festival und vom ZKM Karlsruhe, war 2019 Finalistin beim Deutschen Musikwettbewerb und wurde 2025 für den Giga-Hertz Pop Experimental Production Award nominiert. In diesem Jahr werden ihre Projekte vom Musikfonds und der Initiative Musik gefördert.

Homepage: https://dongzhou.live

Die Bewohner von Stadtland brabbelten wirres Zeug, wenn man sie nach ihrem Beruf fragte. Piepsige Stimme. Ausweichende Antworten. Zusammengekniffene Augen. Diffuser Blick, so undurchschaubar wie die Züge, die losfahren und die Studenten und Grubenarbeiter zurückbringen. Sie kacken in den Zug, fügte Requiem hinzu, den Tränen nahe, als wäre er ein Tourist oder der Cousin von einem Tourist

Stimmen zu „Tram 83“:

»Tram 83 berichtet vom postkolonialen afrikanischen Leben in einer auf unermesslichen Bodenschätzen brodelnden Stadt. Fiston Mwanza Mujila skandiert, brüllt, säuselt die Sätze über den Alltag mit radikalem Furor und erzählt nebenbei die Geschichte eines Chefgauners und die der unwahrscheinlichen Rettung eines todgeweihten Dichters.«
Jury des Internationalen Literaturpreises, Haus der Kulturen der Welt

»Zu Recht gefeiert wird Mujilas Rhythmus. Wie Wildwasser rauschen seine Charaktere durch die Zeilen, Perspektiven wechseln, es geht rau zu. Mujilas Wortschöpfungen und sein unbestechlicher, teils satirischer Blick lassen den afrikanischen Kontinent endlich einmal anders erscheinen.«
ZDF Aspekte

»Ein furioser postkolonialer Roman, der keine Spur von exotischem Kitsch hat. Eine John-Coltrane-artige, sehr verjazzte Version des Evangeliums.«
Barbara Vinken, 3sat

»Fiston Mwanza Mujilas Debütroman ist eine Kritik des Neokolonialismus – vorgetragen von einer ganzen Riege von Säufern und Fantasten – und ein unerschrockener Blick auf die Schattenseiten des Lebens, wie man ihn nur selten geboten bekommt. Überwältigend!«
The Guardian

Über den Autor:

Fiston Mwanza Mujila wurde in Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo geboren und lebt seit 2009 in Graz, Österreich. Seine Texte umfassen Lyrik, Prosa und Theaterstücke. Sein literarischer Durchbruch gelang ihm 2014 mit den Roman Tram 83, der bereits mehrfach übersetzt wurde und für den er u.a. mit dem Internationalen Literaturpreis des Haus der Kulturen der Welt ausgezeichnet wurde. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit unterrichtet er afrikanische Literatur an der Universität Graz und ist als Kurator tätig.

Regel Nummer 34: Hunger, Vorsicht! Man hat schon von gerade abgestillten Kleinkindern gehört, die Züge gekapert haben, mitsamt der Ware und allem, was sich drinnen und draußen bewegte. Mittelbarer Grund: Hunger, dem man nicht entkommen kann. Sofortige Folge: bewaffneter Raubüberfall mit Blutbad.

Gespräch mit Isabelle McEwen (Ausschnitt):

Warum „Le monde est fou“?
Ibrahima Sanogo, mit wem ich die Compagnie Follown & McEwen gegründet habe, hat mich eines Tages angerufen und diese Worte gesagt. Wir planten eine Aufführung, die auf dem Roman von Mujila basieren würde, und diese Worte schienen seine Welt mit unserem hiesigen Lebensgefühl zu verbinden, und das gefiel mir.


Der Roman fängt mit den Worten „Im Anfang war der Stein“ an, und es ist im Roman mehrmals von diesem Stein die Rede. Was bedeutet er?
Der Stein hat in der Aufführung einen noch größeren Platz als im Roman. Er steht für das Reichtum der Erde, für das, was es verspricht und für den Kampf, den es entfacht. Für das Begehren, das es erweckt. Für das Leid, das es in vielen Teilen der Welt für die Menschen bedeutet. Jenseits der Poesie ist Imperialismus das Thema des Romans.
Es gibt im Roman eine Szene, in der eine Lesung von Luciens Bühnen-Epos stattfindet, es wird aber wenig über den Text verraten. Warum hat dieser Text in der Aufführung eine zentrale Rolle?
Dass der Text des Bühnen-Epos im Roman eine leere Stelle bleibt, gab mir die Möglichkeit, die Wirklichkeit Europas mit der des Romans zu verknüpfen. Es geht nicht um einen Vergleich, es würde keinen Sinn machen. Es geht darum, dass die Erde insgesamt aus dem Gleichgewicht ist. Der Stein, der noch in unserem Feld ist, rollt, und niemand weiß, wohin er sich bewegt.
Der Roman ist durchtränkt von Sinnlichkeit. Is es in der Aufführung auch so?
Was die Erzählung angeht, musste ich die Zahl der Figuren reduzieren, die Küken, die Single-Mamies, die Frauen-ohne-Alter, die Kellnerinnen und Hilfskellnerinnen und mit ihnen der „Reigen der Körper“ im Tram 83 sind verschwunden. Aber die Sinnlichkeit der Sprache des Autors findet sich in der Musik, die in der Aufführung ein Hauptakteur ist, wieder. Neben ein paar Songs gibt es mehrere Spoken-Words-Nummern, bei denen die Worte von Schlagzeug- und elektronischen Klängen begleitet werden. Der Rhythmus, der entsteht, ist Teil des Gesagten.
Vermitteln der Roman und die Aufführung eine Botschaft?
Beide laden zu einem freien und offenen Zuhören ein. Kategorien des „wir“ und des „sie“ gibt es nicht, daher gibt es auch nicht den Denkrahmen, der uns so oft erlaubt, zu urteilen, bevor wir zuhören. Was mit und ohne Worte in beiden erzählt wird, könnte man eine Schöpfungsgeschichte nennen, und diese Geschichte überrascht. Das an sich ist großartig.

Lucien war uns lästig. Er trieb es zu weit. Was nütze es, überall den Intellektuellen zu geben, wenn die Gleichung doch dieselbe blieb? Der Weg zu Wahrheit und Ehrlichkeit führt über Straßen voller Müll, Hundehaufen, Lügen, Netzentlastungen und Überschwemmungen, warum also glaubte er steif und fest, dass eine Welt möglich war?

Probenbild und Probenaufnahmen:

Die Diva in ihrer ganzen Schönheit: „Ich benutze Geräusche, die mit meinen verschmelzen. Ich kam in einem Zug zur Welt, so erzählte mir meine Adoptivmutter. Du weißt schon, was ich meine, die Schienen, die Weite, die Schienen, das Exil …“

Gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien Hamburg, das Bezirksamt Hamburg-Mitte, den Dachverband freie darstellende Künste e.V. (DfdK) und die Wiese eG.

Wir bedanken uns für die Unterstützung!

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