Nach der Pest

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„Nach der Pest“ ist der dritte Teil einer Trilogie, deren zwei ersten Teile, „Tatort Kunst“ und „Tatort Demokratie“, 2019 aufgeführt wurden.

„Tatort Kunst“ fragte: Was für eine Funktion hat die Kunst? Was für eine Rolle spielt der Künstler in der Gesellschaft?

„Tatort Demokratie“ fragte: Was für eine Funktion hat die Politik? Und: Was ist Demokratie überhaupt?

„Nach der Pest“ fragt nicht. Es lässt den stimmlosen Menschen reden, der heute im Internet die Möglichkeit gefunden hat, seine Stimme zu erheben. Ähnlich wie der Chor im Theater der Antike hat er nur seine Begeisterung, seine Bedenken, manchmal sein Protest und seine Beleidigungen, um etwas in der Welt zu bewegen. In der Tragödie war der Chor der Hauptakteur. Hier tritt er in der Form von Stimmen auf, die eine junge Frau, Rosa, hört, die an Long Covid leidet. Chor und Heldin sind eins.

(Stimme ) Viele von uns sind wütend, traurig und auch angeekelt…

(Stimme) Am besten lebt derjenige, der die Ohren prophylaktisch zuklappt. Aber das ist natürlich keine Lösung.

(Rosa) Mein Leben ist zusammengebrochen. Ja, ich glaube, dass es das richtige Wort ist. Es ist nicht auf einmal passiert aber ziemlich schnell, und dann ist es mit vielen anderen weggeweht worden. So hat es sich jedenfalls angefühlt. Nach dem ersten Schreck bin ich hinterher gelaufen. Ich laufe immer noch hinterher. Viele konnten oder wollten das nicht tun, sie haben sich zu Hause verkrochen und hoffen, dass ihr Leben irgendwann zurückkehren wird. Man muss sich diesen Luxus leisten können, ich kann es zum Beispiel nicht. Ich teile den Optimismus dieser Leute aber auch nicht. Vom Rande des schwarzen Lochs, wo ich mich gerne aufhalte, sehe ich nur zerfetzte Leben überall ohne Anfang oder ohne Ende oder ohne beides.

(Stimme) Die Dinge sind wirklich verrückt geworden.

(Stimme) Passen Sie auf, es wird noch schlimmer werden, viel schlimmer.

(Stimme) Holen Sie sich, was Sie können, bevor es zu spät ist!

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