Nach der Pest

„Nach der Pest“ wird der Titel des dritten Teils der Performance-Trilogie sein, deren zwei ersten Teile, „Tatort Kunst“ und „Tatort Demokratie“, im Jahr 2019 aufgeführt wurden.

Die Trilogie handelt von den Mechanismen der Täuschung, durch die insgeheim aber auch oft direkt vor unseren Augen eine Realität erschaffen wird, die reiner Schein ist. Diese Mechanismen wurden bereits von Plato beschrieben aber die Täuschung hat heute andere Dimension. Sie ist außerdem nicht mehr reine Notwendigkeit, obwohl ihre Notwendigkeit durchaus real ist. Sie ist aber auch zum Spiel geworden und um dieses Spiel geht es in der Trilogie.

Die Texte beider vorausgegangenen Performances basierten auf Recherchen, wobei die erste wesentlich mehr persönliche Anteile hatte. Die zweite, „Tatort Demokratie“, basierte auf den Antworten auf einen Fragebogen, den die Uni Hamburg auf dem Campus der Universität verteilt hatte. Bei „Nach der Pest“ kommt auch eine Recherche ins Spiel. Ihr Objekt wird die plurale Stimme sein, die sich aus allen Ecken unseres Globus im Internet Gehör verschafft. Was höre ich in mir selbst?, um mich herum? aber auch und vor allem: Was sagen diejenigen, über die ich eventuell nichts weiß, deren Stimmen ich omline lesen/hören kann? Die Kommentare, die man im Internet unter Artikeln und Videos findet, scheinen mir ein heutiges Äquivalent des Chores des antiken Theaters zu sein. Trotz der Vielfalt der geäußerten Meinungen, hat man bei ihnen mit einem Akteur zu tun, der wenig mehr als seine begeisterte Zustimmung, seine Bedenken, manchmal seine Beleidigungen einzusetzen hat, um etwas in der Welt zu verändern. Er reagiert nur, agieren kann er nicht. Er darf es auch nicht. Mich fasziniert die Unordnung, mit der er sich äußert, das Chaos der Stimmen und die Utopie der Auflösung dieses Chaos in einer Welt, die ihr Gleichgewicht wieder finden würde.

Was für eine theatrale Form dieses globale Horchen für sich behaupten wird, wenn die Performance entsteht, ist zu diesem Zeitpunkt unvorhersehbar.

Dramaturgische Mitarbeit: Andreas Lübbers

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